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20.10.2019 20:41 Alter: 54 days

Steuern im Team

Über die Steuerung des medizinischen Sachbedarfs können Krankenhäuser Kosten senken, Prozesse verbessern und eine hohe medizinische Ergebnisqualität sichern. Dennoch ergab eine aktuelle Studie, dass jedes siebte Haus in diesem Bereich nicht plant.



Es gibt ein Instrument, mit dem Krankenhäuser gleichzeitig Kosten senken, Prozesse verbessern und eine hohe medizinische Ergebnisqualität sichern können: die Steuerung des medizinischen Sachbedarfs. Doch obwohl wir für medizinischen Bedarf etwa so viel aufwenden wie für den ärztlichen Dienst, erfolgt in jedem siebten Haus keinerlei Planung. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Studie „Controlling im deutschen Krankenhaussektor“. Eine mögliche Erklärung: Der Einsatz von medizinischem Bedarf beeinflusst unmittelbar die patientenbezogenen Kernprozesse. Entscheidungen zum Verbrauch werden täglich auf jeder Station von Mitarbeitern diverser Berufsgruppen getroffen. Das Thema ist für viele Anwender mit der Sorge verbunden, dass durch Kostenreduzierung „mit dem Rasenmäher“ die Ergebnisqualität negativ beeinflusst wird. Diese Sorge ist verständlich, wenn sich das Sachkostencontrolling vielerorts auf das Versenden von Verbrauchszahlen beschränkt und laut der aktuellen Studie gerade einmal in jedem zwölften Haus die medizinischen Fachabteilungen in die Mengensteuerung eingebunden werden.

Gleichzeitig kümmern wir Controller uns oft zu wenig um die Begleitung der Mengensteuerung. Auch eine Erkenntnis aus der Controlling-studie: Für die Kommunikation der Ergebnisse gegenüber Leistungsbereichen und Geschäftsführung wenden Krankenhauscontroller gerade einmal zehn Prozent ihrer Arbeitszeit auf, obwohl doch das Datensammeln, Aufbereiten und Berichte erstellen in den vergangenen Jahren zunehmend automatisiert wurde. Fast jede medizinische Entscheidung unterliegt einem Ermessensspielraum. Optionen, die zu identischen Ergebnissen für Patienten führen, sind mit unterschiedlichen Kosten verbunden. Mit der Sachkostensteuerung soll nicht nur die nötige Transparenz erreicht werden, sondern es müssen medizinisch und ökonomisch sinnvolle Maßnahmen entwickelt werden. Das hat mit Produktbündelung und Preissteuerung, insbesondere aber mit der Standardisierung medizinischer Prozesse zu tun.

Sachbedarfssteuerung ist vor allem eine kommunikative Herausforderung. Nur im Team aus Medizinern, Pflege, Controllern, Einkauf und Apotheke kann es gelingen, Wirtschaftlichkeit und Behandlungsergebnisse gleichermaßen zu verbessern. Respekt vor der Sach- und Methodenkompetenz der anderen Berufsgruppen ist hierfür eine Grundvoraussetzung. Wie eine medizinisch und wirtschaftlich sinnvolle Steuerung des medizinischen Sachbedarfs etabliert werden kann, wird auch im Seminar „Best Practice Controlling“ am 14. November in Dortmund diskutiert.

Dr. med. Peter Leonhardt ist Neurologe, Abteilungsleiter Medizincontrolling im Marien-Hospital Euskirchen und DVKC-Vorstandsmitglied. Der Beitrag ist im Verbandsorgan des DVKC erschienen. f&w - führen und wirtschaften im Krankenhaus 10/2019