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17.04.2017 22:31 Alter: 1 year

DVKC Kolumne April

Im Verbund steuern


Krankenhäuser, die einen Verbund anstreben, benötigen ein gemeinsames, leistungsfähiges Controlling, dass alle Verbundhäuser steuert. Dazu bedarf es sowohl technischer als auch politisch-rechtlicher Voraussetzungen.

Die deutsche Krankenhausversorgung ist durch viele und kleine Krankenhäuser gekennzeichnet. Dies war erforderlich, solange die Mobilität der Bevölkerung lokal begrenzt und die Krankenhausmedizin weniger ausdifferenziert war als heute. Inzwischen hat die Mobilität der Bevölkerung einen hohen regionalen Grad erreicht, und die Krankenhausmedizin differenziert sich immer stärker in kleinere, aber hochspezialisierte Abteilungen oder Kliniken. Beides macht eine Neuordnung der Krankenhausversorgung erforderlich.

Der theoretisch einfachste Weg, die Zusammenlegung der Krankenhausstandorte zu größeren Einheiten, stößt auf nachhaltigen Widerstand der betroffenen Krankenhausträger und der Bevölkerung. Ein wesentliches Hindernis stellt auch der beträchtliche Investitionsbedarf dar. Als reale Alternative bietet sich eine Abstimmung und Steuerung benachbarter Krankenhäuser im Verbund an. Verbundlösungen verlangen allerdings eine übergreifende, konsistente Versorgungssteuerung in der Region. Dazu sind einerseits die Mitwirkung und Zustimmung der jeweiligen Krankenhausträger und andererseits ein einrichtungsübergreifendes Controlling-System erforderlich. Letzteres gelingt am leichtesten, wenn alle Verbundhäuser das gleiche oder zumindest ein kompatibles Informations- und Rechnungssystem haben. Nach unserer Einschätzung ist es leichter, die technische Voraussetzung zu erfüllen als die politisch rechtliche. Schließlich muss in einer Verbundlösung mit koordinierter Leistungsabstimmung jedes Verbundkrankenhaus Leistungsbereiche abgeben, erhält dafür aber die Möglichkeit, sich tiefergehend zu spezialisieren.

Da die politisch-rechtlichen Hindernisse oft unüberwindbar sind, beherrschen in Deutschland nur Verbünde den Markt, die nicht direkt eine Veränderung des Leistungsportfolios der einzelnen Krankenhäuser verlangen, sondern sich auf Zentralisierung von patientenfernen Leistungen konzentrieren. Zwar können diese Verbünde Einsparungen erzielen, doch können sie nicht den Reformdruck auf die Krankenhausstruktur kompensieren. Dies gilt auch und gerade für überregionale Verbünde, die sogar nicht selten vom eigentlichen Problem der regionalen Versorgungsoptimierung für die Patienten ablenken.

Ein leistungsfähiges Controlling muss alle Verbundkrankenhäuser steuern, wie das heute mit den Abteilungen innerhalb eines Krankenhauses geschieht. So müssen die Geschäftsführer aller Verbundkrankenhäuser den Belegstatuts oder die Notfallkapazität aller Häuser direkt abrufen können. Ebenso müssen etwa die chirurgischen oder internistischen Abteilungen der Verbundhäuser ihre Daten untereinander online austauschen und die Patientenversorgung im Verbund optimieren. Von Prof. Dr. Günter Neubauer

Der Kolumne ist erschienen in der f&w Ausgabe April 2017. Der Autor "Prof. Günter Neubauer" ist Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik in München, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des DVKC und Referent auf dem 24. DKCT in Potsdam